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N°02 Bremen – Künstlerhaus Güterabfertigung


    Teile der Hallen und Abfertigungsgebäude des ehemaligen Bremer Güterbahnhofes wurden schon zu Zeiten des auslaufenden Bahnbetriebes von Künstlergruppen genutzt. Nach Aufgabe der Nutzung und Übernahme des Geländes durch die Stadt stieg die Zahl der Künstler, Musiker und Studenten auf dem Gelände weiter an. Auf dem Areal stehen Ateliers, Ausstellungsräume und Galerien zur Verfügung.
    Ausgehend von der Nutzung einzelner Räumlichkeiten durch darstellende Künstler entwickelte sich eine große Anzahl von künnstlerisch geprägten Aktivitäten unter dem Namen »Künstlerhaus Güterabfertigung« auf dem Areal. Schon als dieses noch im Eigentum der DB war, organisierte sich ein Teil der Szene im »Verein 23«. Dieser trat ab 1997 als Generalmieter für 1600 m² Gebäudefläche auf. Heute ist das Künstlerhaus auf über 100 aktive Künstler in über 60 Ateliers angewachsen und weitere Aktivitäten sind dazugekommen. Das Künstlerhaus bietet vor allem jungen Künstlern und Musikern sowie Studenten und Absolventen der Kunsthochschule bezahlbare Ateliers. In der »Galerie Herold« organisiert eine Gruppe von Künstlern ehrenamtlich Ausstellungen. Das Ausstellungsprogramm der Galerie hat einen festen Stellenwert im kulturellen Angebot Bremens.


*www.ga-bremen.de*





N°01 Berlin – Heikonaut


    Als Juri Gagarin in seiner Umlaufbahn um die Erde flog, war Berlin-Lichtenberg ein Experimentierfeld des industriellen Bauens. Kindergärten, die hier entstanden, wurden für Menschen gebaut, die noch ganz selbstverständlich nach den Sternen griffen. Als das Designerkollektiv anschlaege.de den leerstehenden Kindergarten in der Sewanstraße 122 in Friedrichsfelde entdeckte, war es sich sicher: Von hier aus kann man trefflich in neue Welten vorstoßen. Es gelang eine Besatzung kreativer Universalisten – Autoren, Designer, Fotografen, Künstler – zu versammeln, die aus Gruppenräumen Ateliers und Studios machte. Was ein Kindergarten war, wurde der Heikonaut. Nach kaum einem Jahr ist er ein Ort, dessen kreative Produktion weit über Berlin hinaus Kunden, Förderer und Freunde findet.
    Berlins »Kreative« sind in aller Munde. Oft wird gefragt, worauf diese Branche ihren vermeintlichen Erfolg gründet. In London, wo der Begriff der »Creative Industries« geprägt wurde, hat man sogar eine Studie in Auftrag gegeben, die klären soll, was die Erfolgsfaktoren in der deutschen Hauptstadt sind. Dabei ist die Antwort einfach: Berlin bietet Raum. Der Leerstand ist das größte Potential der bankrotten Stadt – vorausgesetzt: Sie erkennt ihn. Europas einst größter Industriestandort steckt in einem Prozess, den man verniedlichend Strukturwandel nennen kann: Ob Borsig, AEG oder Siemens – von dem was Berlin einst groß machte, ist kaum etwas geblieben. So kommt es, dass in leerstehenden Gemüseläden Unternehmen entstehen, die statt Gurken schöpferische Dienstleistungen verkaufen. Und sie werden mehr. Etwa 6.500 Studenten sind in Berlin allein für die Studiengänge Modedesign, Produktdesign, Kommunikations-
design und Fotografie eingeschrieben. Nach ihrem Abschluss haben sie die Wahl: Berlin zu verlassen, um einen Job zu finden – oder zu bleiben und sich auf das Wagnis einer Existenzgründung einzulassen. Ihnen einen leeren Laden aufzuschließen und für die Zwischennutzung – also bis ein solventer Mieter auftaucht – nicht mehr zu verlangen als die Betriebskosten, hat sich etabliert.
Der Heikonaut ist keine Zwischennutzung. Er hat sich etabliert und die Nutzer werden in naher Zukunft zu Eigentümern.


Quelle und Info: *www.heikonaut.de*